Kanzleieninvestieren zunehmend Zeit in ihre LinkedIn-Präsenz. Themen werden sorgfältig ausgewählt, Texte redaktionell geprüft, Bildmaterial abgestimmt. Trotzdem bleibt die Resonanz auf viele Beiträge überschaubar. Der Blick auf die Ursache führt seltener zum Algorithmus oder zur Konkurrenz als vermutet. Er führt ins eigene Haus. Der Kanzleimarkt Report 2026 von Little Birds Media, der das LinkedIn-Verhalten von Kanzleien systematisch untersucht hat, zeigt ein wiederkehrendes Muster: Die eigenen Mitarbeitenden reagieren seltener, als man erwarten würde.
Die eigenen Mitarbeitenden fehlen bei den Reaktionen
Ein typischer Fall aus der Analyse macht das Muster sichtbar. Eine Kanzlei veröffentlicht einen Beitrag. Thema, Bildsprache und Text passen zur Positionierung. Die Zahl der Reaktionen bleibt trotzdem gering. Ein Blick auf die Liste der Personen, die den Beitrag geliked haben, zeigt regelmäßig dasselbe Bild. Die eigenen Kolleginnen und Kollegen fehlen.
Dieses Muster betrifft zwei Ebenen gleichzeitig. Zum einen reagieren Mitarbeitende häufig nicht auf Beiträge der eigenen Unternehmensseite. Zum anderen unterstützen sich auch einzelne Personen innerhalb eines Teams seltener gegenseitig, als es die Größe der Organisation vermuten lässt. Selbst in Organisationen mit mehreren hundert Mitarbeitenden reagiert nach den Befunden des Reports nur ein kleiner Teil der Belegschaft auf Beiträge des eigenen Unternehmens.
Der Algorithmus verstärkt das Schweigen im eigenen Haus
Dieses Ausbleiben interner Reaktionen ist kein Detail am Rande, sondern hat eine strukturelle Folge. LinkedIn bewertet Reaktionen in der ersten Stunde nach Veröffentlichung besonders stark. Reagieren in diesem Zeitfenster viele Personen auf einen Beitrag, wertet der Algorithmus dies als Signal für Relevanz und spielt den Beitrag einem größeren Kreis aus, darunter auch Personen außerhalb der eigenen Organisation wie potenzielle Mandanten oder Kunden.
Bleibt die Reaktion aus dem eigenen Umfeld dagegen aus, fehlt genau dieser erste Schub. Der Beitrag erreicht von Beginn an einen kleineren Kreis, unabhängig davon, wie gut Thema oder Umsetzung sind. Wer intern nicht liked oder kommentiert, entscheidet damit indirekt mit, ob ein Beitrag den externen Markt überhaupt erreicht.
Eine einfache Routine schließt die Lücke
Der Report verweist auf ein Beispiel, das zeigt, dass sich dieses Problem ohne größeren Aufwand lösen lässt. Eine Wirtschaftskanzlei hat sich eine feste Routine angewöhnt. Sobald ein neuer Beitrag online geht, wird eine kurze interne Nachricht versendet, die daran erinnert, kurz auf LinkedIn vorbeizuschauen. Diese einfache Erinnerung reicht häufig aus, damit die eigenen Mitarbeitenden zeitnah reagieren.
Das zugrunde liegende Prinzip lässt sich auf Kanzleien wie Banken gleichermaßen übertragen. In beiden Fällen tragen mehrere Personen dieselbe Marke nach außen. Ein Like ist dabei bereits von Wert, ein Kommentar zusätzlich, weil er signalisiert, dass sich jemand inhaltlich mit dem Beitrag auseinandergesetzt hat.
Konsequenz für Kanzleien und Banken
Für Kanzleien und Banken ergibt sich aus diesen Befunden eine klare organisatorische Aufgabe. Externe Reichweite entsteht nicht ausschließlich über Thema oder Gestaltung eines Beitrags, sondern zu einem erheblichen Teil über das Verhalten der eigenen Mitarbeitenden in der ersten Stunde nach Veröffentlichung. Eine feste interne Routine, die auf neue Beiträge hinweist, ist ein naheliegender erster Schritt. Ergänzend lohnt sich ein Blick auf das gewählte Format, da Video- und PDF-Beiträge nach den Daten des Reports im Schnitt bessere Werte erzielen als reine Bild- oder Link-Beiträge.
Quellen
Little Birds Media. (2026). Kanzleimarkt Report 2026. https://www.littlebirdsmedia.de/kanzleimarkt-report/

